Achtung, jetzt folgt ein langer Text!

Hier möchte ich erzählen, wie ich Texterin geworden und vor allem geblieben bin. Diese Frage wird mir relativ häufig von anderen Textern oder Freelancern gestellt, die noch am Anfang stehen oder einfach neugierig sind.

Mein Start war ganz einfach: Ich bekam ein Angebot, nahm es an und fing an zu schreiben. Das war vor etwa 9 Jahren. Ich habe als blutige Anfängerin ohne Kenntnisse gestartet. Ich kannte den Job des Texters in dieser Art bis dahin nicht und habe mir erst recht keine Gedanken gemacht, was Selbstständigkeit bedeutet oder ob dieses Schreiben für andere überhaupt eine Zukunft hat. Ich war einfach neugierig!

Mein erster Textauftrag – die Suche hat ein Ende!

Mein Lebenslauf ist ziemlich abwechslungsreich. Vermutlich liegt das daran, dass ich erst den Grundsätzen meiner Erziehung gefolgt bin und deshalb nach etwas „Vernünftigem“ gesucht habe. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich den Mut gefunden habe, meinen eigenen Weg zu gehen.

Ich bin gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau (Lebensmittelgroßhandel) mit Schwerpunkt Qualitätssicherung. Diese Abteilung fand ich richtig gut. Ständig wurde (und wird mit Sicherheit immer noch!) daran gearbeitet, die Produkte besser zu machen und die Kunden zu begeistern. Dass ich daran heute noch immer arbeite – nur in einem viel spannenderem Umfeld – hätte ich damals nicht gedacht!

Nach einem kurzen Ausflug in die Ernährungswissenschaften habe ich mich entschieden, meinen Interessen nachzugehen: Ich habe mich für mittelalterliche Geschichte, Historische Hilfswissenschaften und Germanistik an der Uni Köln eingeschrieben. Das war die beste Entscheidung! Es folgten wundervolle Jahre, in denen ich meine Leidenschaft für das Schreiben entdeckt habe und komplett in die mittelalterliche Epoche eintauchen konnte.

Ich hätte im Anschluss gern ein Volontariat in einer Redaktion oder einer Agentur gemacht. Es ging leider nicht. Was war der Grund? Eine ziemlich schlechte Betreuungssituation. Ich habe meine Tochter während des Studiums bekommen. Ich hatte keine Verwandten in der Nähe und mein Mann hat im Schichtdienst gearbeitet. Meine Tochter bekam zwar einen Kitaplatz, aber mit unflexiblen Zeiten.

Also habe ich versucht, einen Einstieg ins Berufsleben in Teilzeit hinzubekommen. Vielleicht lag es an den Arbeiten oder an den Inhalten, dass ich mich nicht wohlgefühlt habe. Ich war auf jeden Fall sehr glücklich, als ich in dieser Phase einen ersten Textauftrag bekam. Es war ein Lichtblick für mich, denn endlich habe ich etwas gefunden, dass mir richtig gut gefällt! Der Job macht Spaß und bringt mir Anerkennung. Ich habe immer mehr Aufträge angenommen – zu teilweise extrem niedrigen Wortpreisen – nur, damit ich weiterschreiben kann.

Einige Monate habe ich gleichzeitig als Texterin gearbeitet und in Teilzeit gejobbt. Ich bin beruflich zweigleisig gefahren, weil ich schlichtweg Angst vor dem Sprung in die Selbstständigkeit hatte. Schließlich wurde mir immer beigebracht, dass Frauen am besten in Teilzeitjobs aufgehoben sind, wenn sie eine Familie haben. Dieses Modell würde Sicherheit geben und ließe sich mit der Rolle als Mutter und Ehefrau hervorragend vereinbaren. Das fühlte sich aber nicht richtig an, denn eine berufliche Sicherheit hat mich nicht wirklich interessiert. Ich wollte Entwicklung, Flexibilität und Wertschätzung für meine Arbeit.

 

So hat bei mir der Quereinstieg als Texterin funktioniert

Meine Auftragslage wurde zunehmend besser. Ich musste deshalb irgendwann eine Entscheidung treffen, da mich die Situation ziemlich gefordert hat. Vor 8 Jahren habe ich mich dann gegen meinen Job und für die Arbeit als selbstständige Texterin entschieden!

Und jetzt beantworte ich die zweite Frage in diesem Zusammenhang: Wie ich mich so lange in der Freiberuflichkeit behaupten konnte? Ich bin der Überzeugung, dass drei Faktoren dazu beigetragen haben:

1) Lernen, weiterbilden, anwenden.

Um es kurz zu sagen: Es genügt nicht, gerne zu schreiben oder schon immer irgendwas geschrieben zu haben. Talent und Freude an geschriebenen Wörtern sind eine gute Basis. Wichtig ist aber auch fundiertes Wissen. Dieses erhältst du in einer Agentur oder heutzutage auch im Studium. Wenn du aber wie ich als Quereinsteiger texten möchtest, solltest du dich als Autodidakt verstehen. Ich lese Fachbücher, besuche Webinare und Schulungen, bespreche mich viel mit Auftraggebern und anderen Textern. Jeden Tag lerne ich etwas Neues, damit ich noch besser in meinem Job werde. Meiner Meinung nach gehört die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen zur Selbstständigkeit im digitalen Bereich. Beinah täglich hole ich mir wertvolle Inputs aus verschiedenen Quellen:

  • Fachbücher: „Tell me!“ von Thomas Phyczak + „Texten können“ von Daniela Rorig
  • Schulungen: OMKB im März (Online Marketing Konferenz in Bielefeld) + SEO-Schulung (ich schwanke noch zwischen zwei Anbietern)
  • Fachlicher Austausch: virtuelles Netzwerk „Texttreff“ + Unternehmerinnen-Netzwerk hier vor Ort (erst ab Sommer offiziell)
  • Fast täglicher Input: Newsletter (z.B. von Bloofusion, HubSpot, Karl Kratz, Julian Heck, Lilli Koisser), LinkedIn, teilweise kostenlose Webinare)

2) Mental weiterentwickeln.

Anerzogene Denkweisen können echte Blockierer sein. Ich persönlich musste mich sehr stark weiterentwickeln, um meine Schablonen abzulegen. Mein wichtigster Lernprozess war der, dass nur ich allein mein Business definiere. Ist gar nicht so einfach am Anfang! Ganz lange habe ich in Zeitmodellen gedacht oder war der Meinung, mich für alles Mögliche rechtfertigen zu müssen. Das mache ich nicht mehr. Ich weiß, was ich leiste und wie gut ich in meinem Job bin.

Die Freiheiten und Eigenständigkeiten habe ich mir hart erarbeitet. Nur mit viel Selbstdisziplin und eigener Motivation konnte ich die vielen unterschiedlichen Phasen einer Selbstständigkeit überstehen. Es gibt Tage, an denen ich nicht aufhöre zu arbeiten, dann werden im nächsten Moment Projekte eingestampft. Dazu kommen unzufriedene oder zahlungsunwillige Kunden auf der einen Seite und glückliche Kunden, die mir vor lauter Dankbarkeit Präsente zusenden. Als professionelle Texterin habe ich eine ziemliche Berg- und Talfahrt hinter mich gebracht. Daraus habe ich gelernt, dass Scheitern zur Entwicklung gehört, denn es kann auch Chancen bringen. Das „Hochscheitern“ ist meiner Meinung nach sogar ein sehr wichtiger Teil einer erfolgreichen Selbstständigkeit.

3) Neugierig bleiben.

Heute kann ich dir einen Blogtext über die neuesten Modetrends schreiben und morgen einen Artikel über Scrum. Das funktioniert, weil ich neugierig bin und Lust auf Neues habe.

Ich bin als professionelle Texterin auf Themen spezialisiert, weil ich darin ausgebildet bin oder schon viele Texte dazu verfasst habe. Dazu gehören die Themen Mode und Beauty, Bauen/ Sanieren, Versicherungen, Lifestyle/ Gesundheit und Familie.

Und wie passt jetzt dieses Scrum da rein? Ganz einfach: Als professionelle Texterin kann ich auch über Bereiche außerhalb meiner Spezialisierung schreiben. Ich arbeite mich in neue Themengebiete ein, recherchiere und schreibe am Ende Texte, die sogar Fachleute überzeugen.

 

DANKE an diejenigen, die bis hierhin gelesen haben. 😊 Hoffentlich konnte ich erstmal alle Fragen beantworten. Jetzt würde mich natürlich interessieren, was eure Geheimnisse sind. Schreibt sie mir gerne, auch als PN. Ich freue mich über jeden wertvollen Input!